Jüdisches Leben

Juden in Hainsfarth

Seit dem Spätmittelalter, nachweislich ab dem 13. Jh., leben Juden in Schwaben. 1434 wird erstmals ein Hainsfarther Jude erwähnt, um 1480 bereits vier Judenhäuser genannt.
Nach der Ausweisung der Juden aus den Reichsstädten zu Beginn des 15. Jh. wird die jüdische Besiedlung in Hainsfarth immer dichter. Das Fürstenhaus Oettingen-Spielberg gewährt Schutz, dafür haben die Juden ihrerseits Schutzgeld zu bezahlen.

Die Hainsfarther Juden leben vornehmlich vom Viehhandel, im frühen 19. Jh. verstärkt vom Textil- und Gemischtwarenhandel. Handwerk und Landwirtschaft bleiben den Juden bis in die Mitte des 19. Jh. versagt. Die Mobilität ist für Juden weiterhin sehr eingeschränkt. Viele junge Juden versuchen daher, nach Amerika auszuwandern.
Michael Riess (Reese) aus Hainsfarth wird Mitte des 19. Jh. in der neuen Heimat zum Multimillionär. Aus Hainsfarth stammen auch die Vorfahren der großen deutschen Schauspielerin Therese Giehse. Ihr Vater Salomon Gift ist 1861 hier geboren. In diesem Jahr fällt die Matrikelordnung für die bayerischen  Juden, d.h. sie können nun ihren Wohnort  frei wählen. Neben vielen anderen Hainsfarthern nutzt auch Heinrich Aufhäuser  diese Chance und eröffnet in München 1870 mit 28 Jahren das gleichnamige Bankhaus, welches heute noch besteht.

Die jüdische Gemeinde in Hainsfarth wird zunehmend kleiner. Zu Beginn des 20. Jh. leben noch etwa 200 Juden im Ort, 1930 sind es nur noch 40.

Im November 1938 wird die Synagoge geplündert und verwüstet. Mindestens 10 Hainsfarther Juden werden ab1942 deportiert, nach 1945 kehrte niemand zurück.

Einen interessanten Artikel findet man auch bei Alemannia Judaica
   
© Freundeskreis der ehemaligen Synagoge Hainsfarth Webseite erstelllt von Ernst Mayer