Veranstaltungen 2019

 Nun konnten die Gäste von Kantor Nikola David erfahren und miterleben, wie der Seder-Abend abläuft, der sonst nicht in der Synagoge, sondern in den jüdischen Familien gefeiert wird.

Es beginnt mit dem „Kadesch“, dem Segensspruch über einem Becher Wein, mit dem die jüdischen Feiertage eingeleitet werden. Nach dem „Urchatz“, dem rituellen Waschen der Hände, wird eine Stück Frucht der Erde als Symbol für die zermürbende Zwangsarbeit in Ägypten in Salzwasser getaucht und gegessen, dazu das ungesäuerte Brot, die „Matze“, und bittere Kräuter zu den Worten des „Auszugs aus Ägypten“, bevor das festliche Mahl eingenommen wird. Für die in den Familien teilnehmenden Kinder gibt es nicht nur die Geschichte, sondern auch das Verstecken und Suchen der Matzestückchen und Geschenke zum Abschluss des Abends. Nach dem leckeren Essen erfolgt bei geöffneter Tür der Dank an den Propheten Elijah, der die Erlösung durch den Messias vorausgesagt hat. Das „Pessach-Hallel“, mit Lobgebeten und dem Singen von Psalmen erinnert an das erste Pessachfest der Israeliten in Ägypten, als Gott das Volk Israel aus der Sklaverei befreit hatte. An den Schluss gehören das „Lied von den 12 heiligen Zahlen“ und das „Chad Gadja“, ein heiteres Schlusslied von Vaters Lämmchen, eine Allegorie auf die Unterdrückung des jüdischen Volks.

Diese Lehrstunde über die jüdische Religion und die Bezüge zum Christentum, dessen Bibel auch die 5 Bücher Mose enthält, wurde von Kantor David mit melancholischen Melodien und tiefsinnigen Gebeten, mit Gesang und Klavierspiel begleitet. Darin eingebettet wurde das „Seder-Menü“ mit köstlichen Speisen des Sterne-Kochs Joachim Kaiser und seines Beikochs  Markus.

Die Flucht aus der Knechtschaft Ägyptens, dessen Glauben von der Unsterblichkeit einen großen Einfluss auf die drei monotheistischen Religionen ausgeübt hat, ist ein prägendes Ereignis für das Volk Israel und die bedeutenden Personen des Christentums und des Islam.

Das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit wird durch das Wissen um die historischen und geistlichen Grundlagen des Glaubens gestärkt. Hier könnten die Wurzeln des Verständnisses für den Glauben anderer Menschen wachsen. (emy)